Vermeintliche Kriegserfolge der Ukraine 2026 werfen Fragen auf
Unter anderem die ukrainischen Vorstöße im vergangenen Februar in der Region Saporoschje. Russische Experten sprechen indes von einer gescheiterten Gegenoffensive Kiews an diesem Frontabschnitt.
Von Alex Männer
Wegen dem anhaltenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran am Persischen Golf rücken andere Krisenherde der Welt zunehmend in den Hintergrund. Auch der Krieg in der Ukraine, in dem die Kämpfe zwischen den russischen und ukrainischen Truppen nach wie vor mit voller Härte geführt werden.
Und nach wie vor sind die Entwicklung in diesem Konflikt und das Kriegsgeschehen sehr kompliziert. Für Beobachter ist es daher schwierig, sich ein Gesamtbild davon zu machen. Insbesondere in den westlichen Ländern, wo die Medien meist kein objektives Bild der Lage präsentieren. Stattdessen erwecken sie in der Regel den Eindruck, einseitig zu berichten, ausschließlich zugunsten der Ukraine.
Eine solche Berichterstattung stößt jedoch hin und wieder auf die Realität, was dann für Verwirrung sorgen kann. Ein Beispiel: Der deutsche Fernsehsender ntv hatte am 22. April in der Laufschrift die Schlagzeile gebracht, die Lage für die Ukraine an der Front sei „so hervorragend wie noch nie“. NTV bezog sich dabei vermutlich auf eine Aussage des ukrainischen Außenministers Andrej Sibiga, demzufolge die Ukraine bei der Verteidigung russischer Angriffe so gut da stehe wie seit einem Jahr nicht mehr. Weil 90 Prozent der Attacken angeblich erfolgreich abgewehrt werden.
Zwei Tage später war in der Laufschrift von ntv dann die folgende Schlagzeile zu lesen: „Kiev entlässt Kommandeure wegen verfälschter Lageberichte.“ Dazu berichtete das Portal des Fernsehsenders, dass der ukrainische Generalstab zwei hochrangige Offiziere wegen verfälschter Lageberichte aus dem Frontgebiet in der Region Charkow ihres Postens enthoben hat. Diese hätten die Situation an der Front beschönigt, heißt es.
So eine Auswahl der Meldungen wirft natürlich Fragen auf, insbesondere was das Kampfgeschehen betrifft. Andererseits sind Ungereimtheiten bei der Berichterstattung angesichts der aktiven Kampfhandlungen und der unzähligen Informationen, die uns täglich erreichen, nicht untypisch.
Größter Erfolg seit 2023 oder gescheiterte Gegenoffensive?
Trotzdem gibt es weiterhin offene Fragen, etwa zu Berichten im Zusammenhang mit einer ukrainischen Gegenoffensive im südlichen Frontabschnitt. Diesbezüglich berichtete die Zeitung Die ZEIT am 17. März unter Verweis auf Daten des „Institute for the Study of War“ (ISW) über „mehr als 400 Quadratkilometer“, die das ukrainische Militär im Süden der Front „überraschend zurückerobert“ hätte. Demnach handelte es sich dabei um die größten Geländegewinne Kiews seit der Gegenoffensive im Jahr 2023.
Des Weiteren wurde auf dem Portal der ZEIT am 23. März ein Bericht zum Frontverlauf (Oktober 2025 – Februar 2026) veröffentlicht, in dem es heißt: „Im Süden bei Huljajpole (russisch Guljaipole – Anm.) hat sich die Situation im Moment etwas beruhigt. Vor allem aufgrund von Gewinnen in dieser Gegend konnte die Ukraine in den letzten beiden Februarwochen 2026 erstmals seit der Gegenoffensive im Sommer 2023 mehr Territorium zurückerobern, als sie verloren hat, berichtet das Institute for the Study of War. Das ISW hat demnach Bildbeweise dafür gesammelt, die zeigen, dass die ukrainischen Streitkräfte seit dem 1. Januar rund 257 Quadratkilometer befreit haben.“
Entgegen den westlichen Medien, die eine recht positive Einschätzung zu der Lage für die Ukraine an der Front geben, verweisen die Russen auf misslungene Großangriffe der ukrainischen Truppen im Süden, die mit enormen menschlichen Verlusten für die ukrainische Seite einhergingen.
Der russische Militärexperte Ewgenij Krutikow spricht sogar von einer gescheiterten ukrainischen Gegenoffensive im vergangenen Winter im Raum Guljaipole in der Region Sapororschje. Seine Analyse der entsprechenden Kampfhandlungen wurde am 7. April in einem Artikel der russischen Zeitung Vzgljad veröffentlicht.
Krutikow zufolge war das Ziel der Gegenoffensive, den russischen Vormarsch bei Guljaipole nach Westen in Richtung Orechow aufzuhalten. An diesem Frontabschnitt war den russischen Truppen im vergangenen Dezember ein beachtlicher militärischer Erfolg gelungen, nachdem sie Guljaipolje, die zweitgrößte Stadt der Region, vollständig einnehmen konnten. Diese Stadt gilt als strategisch entscheidend, da sie einen zentralen Verkehrsknotenpunkt im Süden darstellt und die ukrainische Verteidigung bei Orechow schwächt.
Also versuchten die ukrainischen Streitkräfte, die alte Verteidigungslinie entlang des Flusses Gajtschur wieder aufzubauen und zusätzliche Kräfte nördlich und nordöstlich von Guljaipole für Gegenangriffe zu sammeln. Dafür überquerten sie im Februar den Fluss Woronaja, rückten in die Steppe aus und erreichten über offenes Gelände die Dörfer Stepowoje und Ternowoje.
Die Einnahme dieser beiden Dörfer gelang den Ukrainern jedoch nicht. Und ohne eine Möglichkeit, sich im freien Feld über lange Zeit zu befestigen, drohte die Gefahr, aufgerieben zu werden. Im weiteren Verlauf wurde die ukrainische Armee zurückgeschlagen. Sie verlor dabei ihr gesamtes Kriegsgerät und erlitt hohe Personalverluste. Die verbliebenen Kräfte zogen sich nach Bolschemichailowka zurück. Der Frontlinie kehrte praktisch zum Zustand vom Januar zurück, mit einer Ausnahme: Ein Teil der Steppe wurde endgültig zur „grauen Zone“.
Auch der zweite Versuch, an diesem Frontabschnitt durchzubrechen, schlug Krutikow zufolge fehl. Insgesamt dauerte die ukrainische Gegenoffensive bei Guljaipole zwei bis drei Wochen und blieb im Grunde wirkungslos. Der einzige Erfolg besteht höchstens darin, dass ein Teil der offenen Steppe in die graue Zone überging, meint der Experte.
Russland rückt im Süden weiter vor
Dafür, dass das ukrainische Militär sein Hauptziel verfehlte, spricht die erneute Ausweitung der russischen Offensive westlich von Guljaipole und das Vorrücken der Russen auf Orechow. Das geht unter anderem aus aktuellen russischen Meldungen hervor. An diesem Frontabschnitt werden die Kämpfe derzeit um die Ortschaften Nowopawlowka, Wosdwizhenka und Werchnjaja Terza geführt.
Krutikow seinerseits verweist darauf, dass das Vorstoßtempo der russischen Streitkräfte an einem großen Abschnitt vom Fluss Dnjepr bis Guljaipole sich zwar verringerte, jedoch nicht aufgrund ukrainischer Gegenangriffe, sondern aus taktischen Gründen. Zudem plane das russische Militärkommando eine Großoffensive im Sommer und dafür würden Reserven angesammelt und an günstigere Stellungen an der Frontlinie verlegt.
Auch die ukrainische Seite spricht von Vorbereitungen einer großangelegten russischen Sommerkampagne, die auch die Front in Saporoschje betreffen würde. Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Alexander Syrskij, erklärte, Russland habe fünf neue Brigaden in diese Region verlegt und die sogenannte Kampfgruppe „Dnepr“ verstärkt. Dies sei faktisch ein Truppenaufmarsch für den Angriff auf Orechow und den anschließenden Vormarsch auf die Regionalhauptstadt Saporoschje, so Syrskij.
Titelbild (Archiv): Ukrainischer Soldat © Francisco Richart/ZUMA Press Wire


Wer die ukrainische Seite verfolgen will, der folgt "Deepstate" https://t.me/DeepStateUA/ folgen.
Eine aktuelle Meldung der Lage https://t.me/DeepStateUA/23460:
🏹 Im April hat der Feind 11,9 % weniger Territorium besetzt als im März. Und die Anzahl der Angriffe hat sogar um 2,2 % zugenommen
🤯 Die Katsapen müssen 36 Angriffe durchführen, um 1 km² zu erreichen. Zum Beispiel beträgt die Fläche von Konstantinowka 66 km². Das heißt, sie müssen einen Monat lang nur Konstantinowka angreifen und sonst nichts. Unter den gegebenen Bedingungen ist es äußerst schwierig, die Kräfte auf einem so kleinen Gebiet zu konzentrieren.
📍 Die größten Fortschritte, nämlich 36 %, entfallen auf Donezk. Insgesamt sind es 53 km², also fast die Hälfte weniger als im März und 6,5 Mal weniger als im Dezember. Weiter folgt Sumy mit 30 %, insgesamt 44 km². Auf Charkiw entfallen 22 % und auf Zaporizhia 12 %.
➡️ Außerdem hat sich die Gesamtfläche des besetzten Dnipropetrowsk von 105 km² auf 98 km² verringert. In drei Monaten haben die Streitkräfte der Ukraine die besetzte Zone um 89 km² verringert, d. h. auf dem Höhepunkt im Januar hielt der Feind 187 km² der Region besetzt.
☀️ Schließen Sie sich der neuen Sammlung für das 22. Bataillon der Territorialverteidigung an: https://send.monobank.ua/jar/5MAfxQvJAX. Es wurden 2️⃣4️⃣ % gesammelt.
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Kommentar sind auch relevant:
Diese Prozentsätze sind totaler Quatsch. Wer braucht das denn?! Das ist reine Politik! Idioten, ihr seid doch angeblich Militäranalysten.
Der Kern meiner "Rede" ist, dass die Leser anfangen zu denken, dass dies kein Krieg um die Existenz des Staates ist, sondern ein Computerspiel, bei dem derjenige, der mehr Land erobert, der Champion ist.
Wenn wir zum Verbessern der Situation an der Front zurückweichen müssen, dann sollen sie auch zurückweichen, selbst wenn es ein Teil der Dnipropetrowsker Region ist. Indem wir das Leben der Soldaten retten und die "Orks" schwächen, werden wir diese Gebiete später ohne Kampf zurückerobern.
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Wir halten durch und bleiben stark. Wir haben ja nicht nur einen Feind. Auch im Hinterland gibt es eine Menge Abschaum, und die Sicherheitskräfte räumen dort ebenfalls auf.
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Die Grundlage der ukrainischen Militärstrategie besteht darin, jeden Quadratmeter gegen so viele wie möglich von 200x300 Metern einzutauschen. Daher wird der Erfolg gemessen an [erobertem Land]/[Anzahl der Angriffe]. Und je niedriger die Zahl ist, desto besser. Und jedes verlorene Dorf oder jede Stadt, wie zum Beispiel Siversk, ohne eine ausreichende Anzahl von toten Russen, ist ein Misserfolg.
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Wenn es notwendig ist, bedeutende Gebiete zu verlassen, um den Personalbestand zu erhalten, was zweifellos wichtig ist, ist dies eine Folge des Scheiterns. Also, Herr Sarkasmus-Genie, du bist nicht verloren gegangen, sondern hast dich vor engstirnigen Ansichten versteckt.
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Nun, wenn ich nur auf "Dips" reagieren würde, hätte ich den Kanal schon längst abonniert.
Der Sinn meiner "Reaktion" ist, dass sowohl bei unserer militärpolitischen Führung als auch bei den Analysten der Erfolg oder Misserfolg von Kampfhandlungen hauptsächlich anhand des prozentualen Anteils der eroberten/zurückeroberten Gebiete gemessen wird. So eine Art "Zieh-Schub".
"Wir haben mehr befreit, als die Katsapen erobert haben" - und alle: "Hurra!!! Sieg!!!". Und dann hören sie auf, sich zu fragen/Fragen zu stellen: "Aber zu welchem Preis? Und was hat das für den Gesamtsieg bedeutet?". Wenn wir "gewinnen", bedeutet das, dass die Verluste unserer Sturmtruppler gerechtfertigt sind. Und das ist Schwachsinn!
Zum Glück haben wir etwas zum Vergleich: Es gab wirklich erfolgreiche Operationen, bei denen innerhalb weniger Wochen Hunderte von Quadratkilometern von der katsapischen Abschaum befreit wurden.
Natürlich werden Sie fragen, wie ich denke, dass man das richtig darstellen sollte (denn es ist immer einfach, zu kritisieren).
Hier ist auch alles offensichtlich: mehr Katsapen zu zerstören, als sie "sammeln" können. Und das ist natürlich nicht meine Idee. ) Das heißt, auch wenn wir allmählich zurückweichen, aber nicht 35.000 Orks, sondern 70.000 töten und diese Zahl ständig erhöhen, ohne unsere eigenen Leute zu verlieren, und wir konsequent darauf hinarbeiten, dass die Ukraine überhaupt keine Verluste auf dem Schlachtfeld erleiden sollte. Ich wiederhole, konsequent. Das heißt, nicht die sowjetische Berechnung: "Ein Infanterist lebt 2 Minuten, ein Panzer 5 Minuten", sondern "ein Infanterist überlebt den ganzen Krieg". Obwohl die Verluste in der Realität leider unvermeidlich sind.
Dann hätten wir diesen inneren Konflikt nicht, die Menschen würden verstehen, dass wir nicht um Quadratkilometer kämpfen, sondern vor allem für unsere Gemeinschaft, für die Menschen, die den Staat Ukraine bilden. Wir sollten nicht nur auf dem Papier, sondern in der Realität jeden Soldaten schützen. Sogar den letzten unfähigen "Avatar" (zumindest, weil er den Staat 15 Millionen kostet).
Und fünfmal eine hypothetische "Forsthütte" (d.h. ein verlassenes Dorf an der Grenze von drei Regionen) zurückerobern und dabei Verluste erleiden - das ist nur ein Quest für ein unfähiges Kommando, mehr nicht.
Die Fortschritte der hypothetischen Frontlinie zu zeigen - kein Problem. Aber die "Prozentangaben" sollten meiner Meinung nach überhaupt nicht veröffentlicht werden, denn sie vermitteln ein falsches, verzerrtes Bild der Situation auf dem Schlachtfeld.
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