Ukraine attackiert Gasversorgung der EU-Staaten
Trotz der angespannten Lage auf dem globalen Gasmarkt führt Kiew Angriffe auf internationale Gasleitungen durch, die russisches Gas durch das Schwarze Meer über die Türkei in die EU transportieren.
Von Alex Männer
Der inzwischen seit mehr als drei Wochen andauernde Iran-Krieg verschlechtert zunehmend die globale Energieversorgung. Unterbrochene Transportrouten in der Golfregion führen dazu, dass vor allem die Lieferungen von Flüssigerdgas nach Westeuropa und Südasien ausfallen. Folglich steigen die Gas- beziehungsweise Energiepreise in den Ländern dieser Regionen weiter, während die dortige Versorgungslage vielerorts angespannt bleibt.
In der EU wird die Situation zudem dadurch verschärft, dass die Mitglieder der Staatengemeinschaft derzeit über fast keine Erdgasreserven verfügen. Da die europäischen Gasspeicher nach der Heizperiode nur zu etwa einem Viertel oder teils sogar zu weniger als 20 Prozent gefüllt sind.
Vor diesem Hintergrund mahnen viele Experten, dass die Energiesicherheit der EU gefährdet ist und dass die langersehnte Erholung der europäischen Wirtschaft angesichts der Gasverknappung demnächst nicht in Gang kommt. Die britische Zeitung The Economist etwa schreibt dazu: „Der starke Anstieg der Öl- und Gaspreise in den vergangenen zwei Wochen droht, das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum zu stoppen und die Inflation neu zu entfachen. Das wäre katastrophal für diejenigen unter Europas Industriezweigen, die ohnehin unter US-Zöllen und chinesischer Konkurrenz leiden.“
Und als ob das genug wäre, könnten nun auch die russischen Gaslieferungen via Pipeline über die Türkei in die EU in Gefahr sein. Denn die Ukraine ist in den vergangenen zwei Wochen dazu übergegangen, die russische Energieinfrastruktur in der Schwarzmeerregion mit Drohnen anzugreifen.
So meldete Russland erst vor wenigen Tagen wieder Angriffe der Ukraine auf russische Energiestandorte in der südlichen Region Krasnodar, unter anderem auf die Gaskompressorstationen „Russkaja“ und „Beregowaja“, die den Betrieb der internationalen Gasleitungen „TurkStream“ und „Blue Stream“ sicherstellen. In einer Erklärung teilte der russische Staatskonzern Gazprom diesbezüglich mit, dass zwischen Dienstag und Donnerstag 26 ukrainische Drohnen drei Kompressorstationen – die beiden bereits genannten sowie die Anlage „Kasatschja“ – angegriffen hätten. Die Attacken seien vom russischen Militär erfolgreich abgewehrt worden, heißt es.
Zuvor wurden vergangene Woche bereits Dutzende ukrainische Angriffe auf die drei Anlagen gemeldet, bei denen laut offiziellen Angaben ebenfalls kein Schaden entstanden ist. Dennoch ist die Situation schwierig. Zumal solche großangelegten Angriffe auf Kompressorstationen darauf hindeuten, dass Kiew die Leitungen TurkStream und Blue Stream für längere Zeit außer Betrieb setzen will.
Für Russland, die Türkei und diverse südeuropäische Länder sind diese beiden Pipelines dagegen äußerst wichtig. Sie transportieren russisches Gas in einem Umfang von etwa 40 Milliarden Kubikmetern durch das Schwarze Meer in die Türkei, von wo aus der Großteil dieser Lieferungen nach Ungarn, die Slowakei und Serbien weitergeleitet wird. Nach dem Ausfall der Ostseeleitung „Nord Stream“ sowie der Jamal-Europa-Pipeline sind es die letzten verbliebenen Gasleitungen, die aus Russland in die EU führen.
Interessanterweise häufen sich die Angriffe Kiews auf die kritische Energie-Infrastruktur in Russland sowie auf internationale Energierouten, die Russland und Europa verbinden, ausgerechnet in einer Phase, in der die Lage auf dem europäischen Energiemarkt wegen der Nahostkrise und der Preiskonkurrenz mit Asien in hohem Maße angespannt ist. In dieser Zeit wünschen sich die Europäer eigentlich nichts sehnlicher als eine Entspannung der internationalen Sicherheitslage und erst recht keine Eskalation, die bloß zu noch mehr Problemen (bei der Energieversorgung) führen würde.
Davon hat die Ukraine offenbar nichts gehört, denn wie sonst soll man ihre aktuellen Angriffe auf die russische Gasinfrastruktur am Schwarzen Meer erklären, die nicht nur den europäischen Energiemarkt, sondern auch die gesamte Gasversorgung der EU zusätzlich zu belasten droht. Würden nämlich ein oder mehrere Angriffe auf russische Kompressorstationen in Krasnodar erfolgreich sein und die Gasturbinen in den betreffenden Anlagen zerstört werden, dann würden russische Gaslieferungen nach Südeuropa für Wochen oder sogar Monate ausfallen.
Zumindest würde Blue Stream in dem Fall höchstwahrscheinlich für eine lange Zeit außer Betrieb gesetzt sein, da in der dazugehörigen Verdichteranlage eine spezielle Gasturbine aus US-Produktion installiert ist, die aufgrund von Sanktionen nicht durch ein gleichwertiges Modell ersetzt werden kann. Außerdem würde die Reparatur einer Gaskompressorstation ohnehin mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
Insofern hätte eine Unterbrechung der Gaslieferungen über die Türkei in der jetzigen Situation sowohl für die europäischen Verbraucher als auch für den gesamten europäischen Gasmarkt schwerwiegende Folgen. Aufgrund der Lieferausfälle aus der Golfregion fehlen auf den weltweiten Gasmärkten schon heute erhebliche Mengen Gas, was den Wettbewerb um das Flüssiggas zwischen der EU und den asiatischen Staaten bereits deutlich erhöhte. Ein Ausfall der russischen Gaslieferungen in der Schwarzmeerregion würde den Märkten weitere 40 Milliarden Kubikmeter Gas entziehen, die Preiskonkurrenz noch weiter verschärfen und die Energiepreise in Europa nur noch weiter in die Höhe treiben.
Titelbild (Archiv): Gaskompressorstation „Russkaja“ in der Region Krasnodar © Dmitry Feoktistov/TASS


Und sie wissen es.. Da sie selbst zu dumm und verroht sind, befragen sie ihre “ think Tanks “
Und die korrupte und schwerstkriminelle politics, bezahlen alles mit unserem Geld. Ich denke irgendwann wird es allen so gehen wie Marie Antoinette