Russland kann das europäische Energieproblem mildern – oder den selbstmörderischen Kurs der EU unterstützen
Angesichts der drohenden Gaskrise in der EU könnte Russland entweder durch zusätzliche Gaslieferungen nach Europa aushelfen oder Brüssel entgegenkommen und seine Lieferungen komplett einstellen.
Von Alex Männer
Aufgrund der seit über zwei Wochen anhaltenden Angriffe der USA und Israels gegen den Iran steht die Welt offenbar vor einer globalen Energiekrise. Vor allem in Europa und Asien sehen sich immer mehr Länder mit einer gefährlichen Knappheit an fossilen Energieträgern konfrontiert, weil der Nahost-Konflikt die Produktion von Erdöl und Flüssiggas sowie lebenswichtige Energieversorgungsketten im Persischen Golf beeinträchtigt.
So fehlen auf den Weltmärkten aufgrund der blockierten Meerenge von Hormus und der dadurch bedingten Lieferausfälle erhebliche Mengen Öl und Gas, was den Wettbewerb um diese Ressourcen zwischen den asiatischen und europäischen Ländern verschärfen und die Energiepreise regelrecht explodieren ließ.
In erster Linie hat sich das Erdöl seit Beginn des Iran-Kriegs massiv verteuert. Bereits nach einer Woche der Kampfhandlungen wurde ein Anstieg des Ölpreises von rund 50 Prozent registriert, sodass dieser erstmals seit Jahren auf über 100 US-Dollar je Barrel kletterte. Anfang vergangener Woche kostete ein Fass der Sorte Brent kurzzeitig sogar mehr als 120 Dollar. Im weiteren Verlauf sank der Preis zwar, bleibt jedoch weiterhin hoch und stabil auf einem Niveau von über 100 Dollar.
Dabei stiegen die Ölpreise langsamer als die Gaspreise. Der Grund dafür ist, dass Staaten und Händler über Erdölvorräte für mehrere Monate verfügen und bereits Reserven freigegeben haben, um den Preisanstieg zu bremsen. Bei Gas hingegen hat man diese Reserven nicht. In Japan und Südkorea etwa sollen die Gasvorräte nur für zwei bis drei Wochen reichen. Und auch in Europa, wo die Gasspeicher nach einem ungewöhnlich strengen Winter nur noch zu einem Viertel gefüllt sind, steht man – wie in den meisten asiatischen Ländern – ebenfalls vor dem Problem, dass die eigene Gasversorgung zunehmend von der Regelmäßigkeit der LNG-Importe abhängt.
In der EU sieht die Sache nun folgendermaßen aus: Weil die Lieferungen aus der Golfregion größtenteils ausfallen, könnten nach Schätzungen von Experten künftig etwa bis zu 90 Milliarden Kubikmeter Gas auf den Weltmärkten fehlen. Deshalb und wegen der Preiskonkurrenz mit Asien erreichte der Gaspreis an der europäischen Börse zeitweise mehr als 800 Dollar je 1.000 Kubikmeter. Später sanken die Preise auf 600 Dollar, doch das ist immer noch deutlich höher als der durchschnittliche Gaspreis des vergangenen Jahres, der bei etwa 400 Dollar lag.
Abhilfe schaffen und die Folgen der Gasverknappung für die europäischen Verbraucher abfedern könnte ausgerechnet das Land, das von den meisten EU-Mitgliedern zum Hauptfeind stilisiert wird: Die Rede ist natürlich von Russland. Denn es verfügt sowohl über die notwendigen Liefermengen als auch über die dafür notwendige Infrastruktur.
Zum Beispiel hat Russland die Möglichkeit, den zweiten Strang der Ostseepipeline „Nord Stream 2“ in Betrieb zu nehmen und dadurch etwa 25 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Europa zu leiten. Dieser Strang ist nach dem Anschlag im Jahr 2022 unversehrt geblieben und könnte theoretisch genutzt werden. Zudem gibt es noch die Jamal-Europa-Pipeline, die sanktionsbedingt zwar außer Betrieb ist, allerdings jederzeit wieder ans Netz gehen und jährlich knapp 30 Milliarden Kubikmeter Gas in die EU transportieren könnte. Um dies zu gewährleisten, müssten die Europäer lediglich ihren politischen Willen demonstrieren und die bestehenden Restriktionen gegen russische Gaslieferanten aufheben.
Damit könnte die EU zumindest einen großen Teil der schon jetzt fehlenden Gasmengen decken und einen drohenden Engpass bei der Gasversorgung verhindern. Allerdings ist diese vermeintliche Lösung für das europäische Energieproblem an eine russische Bedingung geknüpft. Der Kreml fordert nämlich eine „langfristige und stabile“ Zusammenarbeit, bei der „kein politischer Druck“ auf Russland ausgeübt wird. Andernfalls sind Gespräche über zusätzliche Gaslieferungen zwecklos, heißt es aus Moskau.
Doch Russland könnte das europäische Energieproblem genauso gut zusätzlich verschärfen, indem es seine Ankündigung wahr macht und die russischen LNG-Lieferungen an die EU nach Asien umleitet. Immerhin handelt es sich um eine erhebliche Menge an Flüssiggas, wenn man bedenkt, dass die LNG-Importe aus Russland 2025 etwa 16 Prozent der gesamten LNG-Einfuhren der EU ausmachten. Außerdem würde Moskau so den Plänen der EU-Staaten, die bis 2027 eine schrittweise Einstellung der russischen Gasimporte vorsehen, quasi zuvorkommen. Diesbezüglich hatte Präsident Wladimir Putin bereits Anfang März in Aussicht gestellt, sich vom europäischen Gasmarkt zurückzuziehen und seine Lieferungen stärker auf neue Märkte auszurichten, bevor die EU neue Sanktionen gegen russische Kohlenwasserstoffe verhängt.
Die EU indessen zeigt sich unbeeindruckt. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete eine Rückkehr der EU zu russischen Energieressourcen als einen „strategischen Fehler“ und lehnte zugleich entsprechende Vorschläge ab, die Wirtschafts- und Handelsbeschränkungen gegen Moskau teilweise aufzuheben und wieder fossile Brennstoffe aus Russland zu importieren.
Auch die deutsche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, hat kürzlich ebenfalls deutlich gemacht, das die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Energielieferungen aus Russland für Deutschland nicht in Frage kommt. Dazu erklärte Reiche: „Eine Gasversorgung aus Russland wäre ein Rückschritt und hieße, sich zurückzubegeben in eine absolut unsichere Situation und einen Kriegstreiber zu unterstützen.“
Stattdessen wollen die Europäer ihrer langfristigen Strategie zum vollständigen Verzicht auf russische Energieträger folgen und dabei unter anderem das Flüssiggas aus Russland ab dem 1. Januar 2027 und das Pipeline-Gas ab dem 30. September 2027 nicht mehr importieren. Zum Leidwesen der europäischen Industrie und Bevölkerung, die aufgrund einer ideologisch motivierten und höchst fragwürdigen Politik der EU mit einen weiteren Anstieg der Energiekosten rechnen dürften.
Titelbild (Symbol): Russische Gaslieferungen in die EU © Andre M. Chang/ZUMA Press Wire


Wir haben in Deutschland leider die falschen Politiker, die niemand aus dem Volk gewählt hat. Sie werden von Parteien gewählt, die selbst kaum noch Stimmen bekommen.
Die Staatsquote liegt schon über 50%, darum hat das deutsche Volk auch keine Chance mehr. Und die EU, die kann man vergessen, sie ist ein geldfressendes Ungestüm. Allein die Steuereinnahmen, die sie mit chinesischen Waren einnimmt, sind immens! Die EU ist kein Staat, Ursula von der Leyen wurde nie gewählt, sie wurde von Merkel dort hingehoben.