Proxys des Iran drohen mit Blockade im Roten Meer
Um Teheran zu unterstützen, könnten die proiranischen Huthi-Rebellen die Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer blockieren. Es wäre eine weitere asymmetrische Antwort der Iraner auf Angriffe der USA.
Von Alex Männer
Der Konflikt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten sowie Israel eskaliert immer weiter und zieht neue Akteure aus der Golfregion hinein. Denn wie die letzten Ereignisse aufzeigen, bekommt Teheran bereits seit Tagen militärische Unterstützung von der sogenannten Bewegung der Huthi aus dem Jemen im Süden der arabischen Halbinsel.
Die jemenitischen Huthi, die seit mehr als 20 Jahren Kämpfe um ihren schiitischen Glauben führen und heute große Provinzen im Westen des vom Bürgerkrieg gebeutelten Krisenlandes kontrollieren, gelten allgemeinhin als „Proxys“ des Iran. Sie sind ideologisch und politisch eng mit dem Iran verbunden und haben sich mit dessen Hilfe in den vergangenen Jahren erfolgreich der Intervention Saudi-Arabiens widersetzt. Auch in vielen anderen Fragen agieren sie hauptsächlich mit der Unterstützung Teherans und stärken stets iranische Interessen.
Der Iran hingegen kämpfte gegen die US-amerikanische und israelische Kriegsmaschinerie bislang eigentlich ohne fremde Hilfe. (Zumal die arabischen Länder in der Region sich erwartungsgemäß entweder hinter Washington gestellt haben oder neutral geblieben sind.) Doch mit dem „Kriegseintritt“ der jemenitischen Huthi könnte sich das Kräfteverhältnis in diesem Konflikt deutlich verändern.
So hatten die Huthi-Rebellen angesichts der israelisch-amerikanischen Luftangriffe auf den Iran bereits Anfang März angekündigt, gegen die Vereinigten Staaten, Israel sowie deren Verbündete vorzugehen. Ende März ist dieser Fall dann auch eingetreten. Wie Medien berichteten, haben Einheiten der Huthi-Miliz am vergangenen Montag damit begonnen, Israel mit Raketen und Drohnen anzugreifen. Seitdem gab es zahlreiche Luftangriffe auf die Israelis, auch mit ballistischen Raketen, die etwa auf Ziele im Raum Tel Aviv abgefeuert worden sind.
Hochrangige Huthi-Vertrerter weisen in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass diese Angriffe nur ein erster Schritt gewesen seien. Man würde nämlich erst dann mit voller Macht zuschlagen, wenn „die Aggression gegen den Iran und den Libanon heftig eskaliert“ und einer der Golfstaaten sich an dieser Aggression beteiligen würde. Dies geht unter anderem aus einer Erklärung des stellvertretenden Informationsministers der Huthi vom 2. April hervor. Im Gegenzug würden die Rebellen die strategische Bab al-Mandab-Straße an der jemenitischen Küste blockieren, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet und das südliche Eingangstor zum Suezkanal bildet.
Die Meerenge Bab al-Mandab ist rund 30 Kilometer breit und vor allem für den Handel zwischen Asien und Europa von immenser Bedeutung. Jährlich sollen etwa 20.000 Schiffe diese Meerenge passieren – da sind rund 30 Prozent des weltweiten Containerhandels und etwa zehn Prozent des Ölhandels.
Eine stark eingeschränkte Schifffahrt in der Straße von Bab al-Mandab oder sogar die Blockade dieser Transportroute würde bedeuten, dass die Reedereien einen teuren Umweg über das Kap der Guten Hoffnung nehmen müssten. Dies würde zudem mehr Zeit in Anspruch nehmen und die weltweiten Lieferketten dadurch hart treffen, die dann ins Stocken geraten könnten. Die Folgen für die gesamte Weltwirtschaft wären katastrophal.
Dass eine Blockade durchaus möglich ist, haben die Huthi bereits vor zweieinhalb Jahren demonstriert. Im November 2023 hatten sie angesichts der israelischen Offensive im Gazastreifen Angriffe gegen israelische und die mit Israel verbundenen Handelsschiffe im Roten Meer durchgeführt, wodurch die Schifffahrt in dieser Region stark eingeschränkt wurde. Vermutlich wurde sie damals deshalb nicht komplett zum Erliegen gebracht, weil die Huthi unter anderem darauf verzichteten, gegen Schiffe mit Öl oder Flüssiggas vorzugehen.
Somit wären Huthi-Angriffe in der Meerenge Bab al-Mandab heute eine weitere effektive asymmetrische Antwort Teherans auf die massiven Luftangriffe der USA und Israels. Womöglich genauso effektiv wie die Blockade der Straße von Hormus, die bereits zu einer globalen Energiekrise geführt hat. Insbesondere wegen der Einschränkung der Rohstofftransporte aus Nahost und der daraus resultierenden Energieknappheit sowie dem starken Anstieg der weltweiten Öl- und Gaspreise.
Titelbild: Drohnen der Huthi-Miliz in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa, 02. April 2026. © Yahya Arhab/EPA

