Burewestnik, Poseidon und mögliche Atomtests: Trump will dort Stärke zeigen, wo die USA im Rückstand sind
Der kürzliche bahnbrechende Erfolg Russlands bei der Entwicklung von nuklearbetriebenen strategischen Waffensystemen offenbart die Rückständigkeit der USA im Bereich der Kernwaffentechnik.
Von Alex Männer
Zur großen Überraschung der internationalen Staatengemeinschaft hatte der US-Präsident Donald Trump Ende Oktober in seinem sozialen Netzwerk Truth Social die sofortige Wiederaufnahme von Atomwaffentests in den USA angekündigt. Folglich hat er das US-Kriegsministerium angewiesen, unverzüglich mit den entsprechenden Vorbereitungen zu beginnen.
Trump begründete seine Entscheidung mit angeblichen Testprogrammen anderer Länder und bezog sich dabei offenbar auf die kurz zuvor erfolgte Erprobung der neuen russischen strategischen Waffensysteme mit nuklearem Antrieb – den Marschflugkörper „Burewestnik“ und die Unterwasserdrohne „Poseidon“. Beide Systeme, über deren Entwicklung Russland die Öffentlichkeit erstmals 2018 informiert hatte, sind atomwaffenfähig, haben während der Tests laut russischen Angaben jedoch keine Atomsprengköpfe getragen.
Moskau stellte daher unmissverständlich klar, dass es sich bei den besagten Tests nicht um Atomwaffentests gehandelt hat. Denn es ginge dabei nur um die Erprobung des Kernenergieantriebs, was offenkundig keinen Beschränkungen im Zusammenhang mit Atomwaffentests unterliege, hieß es aus dem Kreml.
Ferner wies die russische Seite unter anderem darauf hin, dass Trump möglicherweise nicht korrekt über die Tests von Burewestnik und Poseidon informiert worden sein könnte und aus diesem Grund diese Waffentests als Atomtests interpretiert haben könnte.
Doch Trump legte im weiteren Verlauf nochmal nach und behauptete in einem Interview, China und Russland würden bereits Kernwaffentests durchführen. Deshalb müssten die Vereinigten Staaten nachziehen und mit eigenen Atomtests beginnen, so der Staatschef.
Kurz darauf hat der US-Energieminister Chris Wright konkretisiert, dass es bei den von Präsident Trump angekündigten Atomwaffentests in den USA keine nuklearen Explosionen geben soll. „Die Tests, über die wir gerade sprechen, sind Systemtests. Das sind keine nuklearen Explosionen“, erklärte Wright gegenuber Medien. Ihm zufolge sollen Experten das Verhalten der Kernwaffen komplett mithilfe von Computerprogrammen simulieren.
Für die Amerikaner wäre eine echte (unterirdische) Atomsprengung in der jetzigen Situation ohnehin äußerst problematisch. Zum einen haben sie ihren Atomwaffen zum letzten Mal 1992 getestet. Für eine Wiederaufnahme der Tests fehlt zur Zeit unter anderem ein dafür geignetes Militärgelände. Daher würden die Vorbereiten eine Menge an Kosten und viel Zeit benötigen.
Zum anderen darf man nicht vergessen, dass die Vereinigten Staaten das Moratorium für Atomtests bereits Ende des letzten Jahrhunderts unterzeichnet hatten. Auf diesen Aspekt hat der Kreml vor Kurzem ebenfalls hingewiesen und gewarnt, dass, falls irgendein Land das Verbot für Kernwaffentests aufheben sollte, Russland entsprechend handeln würde.
Unklar bleibt aber, ob Trump mit seiner Ankündigung, unverzüglich mit Atomtests in den USA zu beginnen, eine bestimmte Strategie verfolgt. Oder ob es sich eher um eine Kurzschlusshandlung wegen des waffentechnischen Durchbruchs Russlands handelt. Die Tatsache, dass die Aussagen über US-Atomwaffentests kurz nach der erfolgreichen Erprobung von Burewestnik und Poseidon getätigt wurden und damit in Verbindung stehen könnten, deutet nicht gerade auf eine echte Strategie hin. Und auch, dass die möglichen US-Atomtests am Ende darauf beschränkt wurden die nukleare Explosion am Rechner zu simulieren.
Eventuell wollte Trump angesichts des russischen Erfolgs Stärke demonstrieren und zugleich von der Rückständigkeit der USA im Bereich der strategischen Atomwaffen ablenken. Schließlich sind es nicht die Amerikaner, sondern die Russen, die einen phänomenalen Durchbruch schafften und nun über zwei revolutionäre Waffensysteme verfügen, die nicht nur das Wettrüsten, sondern auch die zivile Nutzung der Atomkraft auf eine neue Stufe bringen. Denn die Entwicklung des ersten einsatzfähigen Kernenergieantriebs der Welt dürfte nicht nur im Bereich der Waffenindustrie seine Anwendung finden.
Russland gelingt der Durchbruch, USA hinken hinterher
Zuerst aber wollen die Russen die Entwicklung von Burerwestnik und Poseidon erfolgreich abschließen und diese Waffen in ihr Arsenal aufnehmen. Damit würden sie nicht nur ihre atomare Zweitschlagfähigkeit stärken, sondern auch ihre militärischen Handlungsmöglichkeiten ausweiten. So kann zum Beispiel Burerwestnik über einen langen Zeitraum in der Luft bleiben und dabei feindliche Flugabwehrsysteme umgehen. Bei Tests hat die Waffe 14.000 Kilometer zurückgelegt, soll jedoch eine viel größere Reichweite haben. Die strategische Unterseedrohne Poseidon kann ebenfalls sehr lange (außerhalb des Zielgebiets) operieren und besitzt eine Sprengkraft von bis zu zwei Megatonnen, was sogar die Zerstörungskraft einer modernen russischen Interkontinentalrakete übertreffen soll.
Diesbezüglich betont man in Moskau, dass es bislang keine Mittel geben soll, welche diese neuen Waffen abfangen könnten. Dieser Ansicht ist auch der ehemalige US-Offizier und heutige Militärexperte Scott Ritter. Ihm zufolge wäre selbst das in den USA geplante Raketenschutzschild „Golden Dome“ nicht in der Lage, den Burewestnik auszuschalten. Für die Verteidigung gegen den neuen Marschflugkörper benötigten die USA nämlich einen Schutzschild mit 360-Grad-Abdeckung, so Ritter. Dafür fehle dem Militär jedoch ein durchdachtes Konzept.
Dieses Problem hat Russland offensichtlich nicht. Immerhin ist es seinen Wissenschaftlern gelungen, ein bisher als hochgradig komplex und seit Jahrzehnten als nicht realisierbar geltendes Projekt in der Atomwaffentechnik umzusetzen und damit Russlands bisherige Führungsrolle im Bereich der strategischen (Atom-)Waffen für die kommenden Jahre unantastbar zu machen.
Die Amerikaner (und ihre Verbündeten) hingegen haben nichts dergleichen in ihrem Repertoir. Nicht einmal in der Entstehungsphase. Und angesicht der vielen Misserfolge der USA bei der Entwicklung von Hyperschallraketen wird der Rückstand auf Russland nicht gerade einfach wettzumachen sein. Denn während Russland Hyperschallwaffen bereits vor Jahren in seine Bewaffnung aufnahm und diese Waffensysteme zur Zeit auch unter Kampfbedingungen erfolgreich einsetzt, haben die USA noch kein fertiges Produkt vorzuweisen.
Da helfen auch keine Kernwaffentests. Zumal Trump und seine Regierung sich darüber bewusst sein müssen, dass die Missachtung des Moratoriums für Atomwaffentests weitreichende Konsequenzen auf internationaler Ebene haben wird. Als Reaktion darauf könnten die anderen Atommächte, die den Vertrag über das umfassende Verbot von Atomwaffentests bislang strikt befolgt haben und sich auch weiterhin an die entsprechende Verpflichtungen in dieser Frage halten, angemessene Gegenmaßnahmen ergreifen. Wie bereits angeführt, hatte Moskau angekündigt, „zusätzliche Informationen […] zu sammeln, diese im Sicherheitsrat zu analysieren und abgestimmte Vorschläge für einen möglichen Beginn von Atomwaffentests vorzulegen.“
Im Grunde sprach der Kreml damit eine klare Warnung aus, in der Absicht, eine nukleare Eskalation zu verhindern. Wie sich die Situation in diesem Zusammenhang weiterentwickeln wird, hängt nun von Washington ab.
Titelbild: US-Staatschef Donald Trump, 9. November 2025 © Luis M. Alvarez/AP Photo

